Bad Elster im sächsischen Vogtland bietet Ruhe, schöne Natur und Genesung für Kurgäste verbunden mit Nostalgie und umfangreichem Musikprogramm

Schon mehr als vier Jahrzehnte habe ich eine persönliche Beziehung zum Kurort Bad Elster, wenn auch mit gemischten Gefühlen. Eine neunwöchige Kur im Kindesalter war nicht nur angenehm. Heutzutage kann Bad Elster unweit vom berühmten tschechischen Bäderdreieck an alte Traditionen anknüpfen und ist wieder ein angesehener und beliebter Kurort. Oft trifft man dort auch wieder auf die Bezeichnung Chursächsisch für einen Kurort im Chursachsen.

Warum die Elster kein Vogel war und die Chur nicht der Heilung diente

Der Name des früheren Ortes Elster hat nichts mit Rabenvögeln zu, sondern leitet sich vom Namen des Flüsschens Weiße Elster ab, der hier gerade einmal rund 15 Kilometer nach seiner Quelle den Ort durchquert. Aber auch für die Wortherkunft jener Elster gibt es verschiedene Theorien. Wikipedia sieht den Ursprung im germanischen Wort Alistra, das von seiner Herkunft her etwa fließen oder strömen bedeutet. Klingt plausibel. Ganz so einfach ist es dennoch nicht.

Andere gehen davon aus, dass sich Elster vom sorbischen Wort Alder für Erle ableitet. Fritz Rödiger meint in seinem Werk „Kapellenberg und Elster“ hingegen, dass die Elster gar vom gälischen Alter abstammt und etwa „veränderlich“ bedeutet. In früherer Zeit wurde Gälisch von den Kelten gesprochen, die in dieser Region sowie in der Schweiz und bis auf den Balkan siedelten. Veränderlichkeit bezieht sich auf das plötzliche Auftreten von Mineralquellen sowie das Erscheinen von Muscheln (Oyster im Englischen). So soll sich die Weiße Elster als ein „Fluss veränderlicher Art und Weise, der Muscheln führt“ erklären.

Wie auch immer, der Name rührt nicht vom Vogel her. Heutzutage gilt die Elster jedoch gerne als Symbol für Bad Elster, und auch der Gast wird in den Kurparks bestimmt auf so manche Elster treffen.

Elster in Bad Elster
Elster in Bad Elster
Elsterbrunnen Bad Elster
Elsterbrunnen Bad Elster

Der zweite Irrtum betrifft das Chursachsen, welches es schon Jahrhunderte eher gab und das nichts mit dem modernen Kurbetrieb zu tun hat. Der Begriff geht auf den Kurfürsten von Sachsen zurück, der laut der Goldenen Bulle von 1356 einer der vier weltlichen Herrscher in Deutschland war, der das Recht hatte, bei der Bestimmung des Kaisers teilzunehmen – eben diesen zu küren. Kursachsen und Kurfürst kann man ebenso mit „K“ schreiben. Die Begriffe beziehen sich auf dieses alte Privileg des Kürens. Hingegen dient ein Kurort dem Kurieren.

Ein Ort, dem Wasser gewidmet

Während der berühmte Kurort Karlovy Vary im benachbarten Tschechien schon lange zu Trinkkuren einlud, war Elster in früheren Jahrhunderten weit weniger bekannt. Allerdings wusste man durchaus um die heilende Wirkung der Quelle von Elster bereits viel früher. Sie ist seit 1669 dokumentiert. Auch Goethe war im Jahre 1795 zu Gast in Elster und schätzte die Quelle – damals (wie auch heute) als Säuerling bezeichnet. Im Jahre 1848 wurde Elster zum Königlich-Sächsischen Staatsbad und ab 1875 als Kurort mit dem Namen Bad Elster gewürdigt. Seit 1935 hat das heute rund 3.600 Einwohnern zählende Bad Elster Stadtrecht. Mehr als 15.000 Kurgäste in zahlreichen Kliniken erfahren heutzutage Linderung und Heilung für verschiedenste Leiden in dem wichtigen Kurort.

Lauf der Weißen Elster in Bad Elster
Lauf der Weißen Elster in Bad Elster
Weiße Elster im Ort
Weiße Elster im Ort

Parks und Quellen im Zeichen der Heilung

Die Quellen von Bad Elster gibt es an der Marienquelle und der Moritzquelle nahe dem Kurpark in den jeweiligen Trinkhallen zu trinken. Genuss ist das nicht unbedingt, sondern Geschmackssache. Ein deutlicher Salzgehalt, leicht säuerlich und vor allem die Eisennote ist gewöhnungsbedürftig. Diese Trinkquellen kommen kalt hervor zwischen 10 und 15 Grad. Und es sind nicht nur diese zwei Quellen, sondern Moritzquelle 1, Elstersäuerling, Salzquelle, Marienquelle 1, Marienquelle 3 und sicherlich noch mehr. Tafeln in den Trinkhallen informieren über die genaue Zusammensetzung und empfohlenen Anwendungsgebiete. Seit ein paar Jahren ist noch die neu erschlossene Thermalquelle für das Sole-Bad hinzugekommen.

Gebäude der Marienquelle in Bad Elster
Gebäude der Marienquelle in Bad Elster
Marienquelle Bad Elster
Marienquelle Bad Elster
Moritzquelle und Elstersäuerling
Moritzquelle und Elstersäuerling

Der wohl älteste Park ist der König-Albert-Park, der sich in leichter Hanglage hinter dem Neorenaissance-Kurhaus aufwärts bis zum Parkhotel Helene erstreckt. Ein Refugium für Ruhe und Entspannung in einem Park im Stile eines englischen Landschaftsparks mit terrassenförmig angelegten kleinen Seen, fast zutraulichen Enten und großen Solitärbäumen. Direkt hinter dem Kurhaus zu Beginn des König-Albert-Parks findet sich mit der Hygiea, der griechischen Göttin der Gesundheit, die berühmteste Skulptur von Bad Elster, welche symbolisch für die Widmung der Stadt steht – ein Werk des Dresdner Bildhauers Hermann Hultzsch aus dem Jahre 1887.

König-Albert-Park in Bad Elster
König-Albert-Park in Bad Elster
Enten im König-Albert-Park
Enten im König-Albert-Park

Der Kurpark oder Park am Badeplatz reicht von Springbrunnen über den Goethebrunnen und den Musikpavillon am Badeplatz weiter entlang am Fluss- oder Bachlauf der Weißen Elster. Besonders im Mai zur Rhododendronblüte lohnt sich ein Besuch. Weiter entlang des Flüsschens schließt sich der Paul-Schindel-Park mit Gondelteich und historischem Floratempel an. Daneben findet sich weiter zum Stadtzentrum hin der kleinere Rosengarten.

Im Kurpark Bad Elster
Im Kurpark Bad Elster
Goethebrunnen im Kurpark Bad Elster
Goethebrunnen im Kurpark Bad Elster

Das einstige Bad des Königs – das Albert Bad im Wandel der Zeit

Front des Albert-Bades
Front des Albert-Bades

Hauptattraktion in Bad Elster ist das Albert-Bad – ein historisches und unter Denkmalschutz stehendes Badehaus zwischen Barock und Jugendstil und eines der ältesten Moorheilbäder Deutschlands. Das erste Badehaus entstand bereits 1852 für die sächsischen Könige. Mitunter wird zwar 1908 als Baujahr angegeben, was sich aber wohl auf die letzte große Erweiterung früherer Zeit bezieht. Fassade, viele Innenbereiche und Behandlungsräume für Moorbäder und Kohlensäurebäder stammen noch aus jener Zeit und prägen heute das Bild des Traditionsbades. Sehenswert sind beispielsweise der Blick in einen Raum für ein Moorbad in seiner ursprünglichen Gestalt, sowie die reich verzierte Eingangskuppel (Waldkuppel) von 1882 über der hinteren Eingangshalle. Die Bezeichnung Albert-Bad geht übrigens auf einen der letzten sächsischen Könige Albert (1828-1902) zurück.

Moorbehandlung im Albert-Bad dereinst
Moorbehandlung im Albert-Bad dereinst
Foyer im Albert-Bad
Foyer im Albert-Bad
Waldkuppel im hinteren Portal des Albert-Bades
Waldkuppel im hinteren Portal des Albert-Bades
Hintereingang vom Albert-Bad
Hintereingang vom Albert-Bad

Heute ist das Bad erweitert um Außenbecken, Sauna sowie zugehörig zum angrenzenden modernen und recht nüchternen König-Albert-Hotel der neuen Sole-Therme. Reine Badetouristen können für 12,50 Euro die Badelandschaft sowie für 19,50 Euro Badelandschaft und Sole-Therme besuchen. Vielfältige medizinische Anwendungen stehen nach ärztlicher Konsultation zur Verfügung.

Ein blaues Wunder im Bademuseum Bad Elster

In der Kunstwandelhalle nahe dem Kurpark gibt das erste (dritte) Bademuseum Einblicke in die Geschichte von Elster, Bad Elster und dem heute modernen Kurort. Der erste Versuch des Bademuseums datiert auf 1880, wurde jedoch bald wieder geschlossen. Eine zweite Episode des Bademuseums dauerte von 1950 bis 1970 im Königlichen Kurhaus. Die heutige dritte Form gibt es seit 1995 in der Kunstwandelhalle an der Salzquelle.

Nach einem geschichtlichen Rundgang im Museum taucht man hinab ins Untergeschoss in eine geheimnisvolle, blaue Welt des Wassers. Anschaulich wird die Entstehung und Funktionsweise der Quellen rund um Bad Elster, Bad Brambach und im benachbarten böhmischen Bäderdreieck präsentiert. Zudem kann man viel Wissenswertes rund um das Wasser auf unserem Planeten erfahren.

Der Eintritt kostet 3,50 Euro mit einer kleinen Überraschung. Mehr Infos gibt die Webseite des Museums.

Im Bademuseum Bad Elster
Im Bademuseum Bad Elster

Kleine Entdeckungen und Kuriositäten in sanfter Natur

Mit einer Höhenlage von rund 500 Metern über NN ist Bad Elster auch im Sommer stets etwas kühler und liegt in einer Waldlandschaft mit weniger schroffen Erhebungen an den westlichen Ausläufern des Erzgebirges. Ideal für Erholung, Genesung und leichte Wanderungen. Zahlreiche meist gut markierte Wanderwege schließen sich an die Parkanlagen des Kurortes an.

Vom Naturtheater am nördlichen Stadtrand kann man in rund 15 Minuten zur Kreuzkapelle mitten im Wald hinaufsteigen. Ein kleines Kuriosum ist diese seit 1877 bestehende hölzerne Kapelle mit einer Benagelung aus Borke. Heute erfolgen sogar wieder regelmäßig Andachten an diesem abgelegenen Ort.

Kreuzkapelle bad Elster
Kreuzkapelle bad Elster

Auf der westlichen Stadtseite führen Wanderwege hinter dem Parkhotel Helene rund 3 Kilometer zum sogenannten „Alten Schloss“. Dahinter verbirgt sich kein Gebäude, sondern eine recht unscheinbare Naturbesonderheit mitten im Wald – die Ringwallanlage. Sie soll von einer mittelalterlichen Besiedelung aus dem 11. Jahrhundert stammen. Eine Insel ist von einem breiten Wassergraben und darum wiederum dem Ringwall umgeben, der den Wassergraben begrenzt. Vieles hat sich die Natur zurückerobert, aber Graben und Wall sind geblieben.

Reste der Ringwallanlage bei Bad Elster
Reste der Ringwallanlage bei Bad Elster

Weitere Ausflüge empfehlen sich beispielsweise in die Musikstadt Markneukirchen, das Radonbad Bad Brambach oder nach Franzensbad und Cheb auf tschechischer Seite.

Heilung geht auch durch den Magen

Kulinarisch trifft man auf viel Nostalgie in Bad Elster. Die meist älteren Kurgäste dürfte es freuen. Zahlreiche Cafés bieten teils selbstgebackene Kuchen und beliebte Kaffeespezialitäten. Neben ländlicher vogtländischer Küche sind hier auch Klassiker aus den 70er Jahren wie Toast Hawaii, Karlsbader Schnitte, Würzfleisch oder Birne Helene zu haben.

Antik-Café

Besonders schön, das Antik-Café in der Badstraße 15 gegenüber vom Kurpark. Hier fühlt man sich zu Gast wie bei Omas Kaffeeklatsch. Historische Sofas und ein fast unüberschaubares Sammelsurium an Dekorationsstücken sorgen für Gemütlichkeit drinnen und draußen. Selbst beim Servieren gibt es kaum zwei gleiche Geschirrteile, sondern meist alte Sammeltassen. Betrieben wird das Antik-Café von tschechischer Hand. Die Leute von Bad Elster steuern gerne noch weitere antike Stücke bei. Schmackhafte Kuchen, große Portionen und günstige Preise runden das Bild ab. Ein tolles Erlebnis-Café in Bad Elster.

Antik-Café Bad Elster
Antik-Café Bad Elster
Sofaecke im Antik-Café
Sofaecke im Antik-Café
Toast Hawaii im Antik-Café
Toast Hawaii im Antik-Café

Café/Restaurant Waldquelle

Als Restaurant empfiehlt sich die historische Waldquelle (zwischenzeitlich auch mal unter dem Namen Waldschlösschen). Neben dem alten hölzernen Musikpavillon entstand aufgrund großer Nachfrage bereits im Jahre 1911 das Café Waldquelle mit Parkanlage. Nachdem das herrliche alte Haus am Waldesrand neben dem Naturtheater über Jahrzehnte verfallen war, konnte die historische Anlage 2009 wieder eröffnet werden. Der nach allen vier Seiten verglaste Gastraum mit Wirtschaftstrakt in der Mitte und im Keller ist sehr gemütlich und heute originalgetreu rekonstruiert. Das Küchenteam arbeitet engagiert und achtet auf die Qualität. Zander mit Kräuterseitlingen, Kalbsragout oder (echtes) Wiener Schnitzel sind Beispiele der Speisekarte – dazu eine kleine, ausgewählte Weinkarte. Vielleicht die beste Adresse in Bad Elster.

"Waldquelle" Bad Elster
„Waldquelle“ Bad Elster

Parkhotel Helene

Das privat geführte Parkhotel Helene am oberen Ende des König-Albert-Parks ist ein Quartier für Ruhe und Entspannung und gefällt mir weit besser als das moderne und teure König-Albert-Hotel mit direktem Übergang ins Bad. Sehr adrette Zimmer, ordentliches Frühstück und ein Restaurant mit Hausmannskost erwarten hier die Gäste.

Ein Hinweis noch: Bad Elster ist kein Party-Ort. Nach 22 Uhr geht kaum noch etwas, und oft ist schon vor 20 Uhr Küchenschluss.

Kliniken von gestern und heute

Den Schwerpunkt in Bad Elster bilden auch heute die zahlreichen Kurkliniken, angefangen von der historischen Einrichtung Sachsenhof direkt neben dem Theater über die evangelische Klinik Sonnenhöhe und die Paracelsus-Klinik bis hin zur Vogtlandklinik. Letztere ist übrigens der einzige Klink-Neubaukomplex der DDR, der 1982 entstanden ist. Die Einrichtung, die damals einen Architekturpreis gewonnen hat, erinnert heute noch an den Stil Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre in der DDR, wie man dies aus dem mittlerweile abgerissenen Palast der Republik Berlin kannte – scherzhaft oft Erichs Lampenladen genannt. Aus heutiger Sicht finde ich das eine durchaus gelungene, moderne Bauweise, die allemal mehr Originalität aufweist als nüchterne Baukomplexe wie das neue König-Albert-Hotel. Ein Blick ins Foyer führt zurück in jene Zeit.

Foyer der Vogtlandklinik Bad Elster
Foyer der Vogtlandklinik Bad Elster

Im Musikwinkel des Vogtlandes

Im Herzen des Musikwinkels im Vogtland gelegen, kann Bad Elster ein beachtliches Kultur- und Musikprogramm aufweisen. Unter anderem auch dank der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH präsentiert der Kurort seinen Gästen ein umfangreiches und sehr vielfältiges Programm, das sich nicht nur auf Volksmusik beschränkt. Veranstaltungsorte sind das klassische König-Albert-Theater und das fast nebenan gelegene Kurhaus, aber auch das 1911 als erstes seiner Art in Sachsen entstandene Naturtheater inmitten des Waldes hinter dem Café-Restaurant Waldquelle. Auch diese traditionsreiche Spielstätte, die mehr als 40 Jahre Goethe-Festspiele abhielt, war fast vergessen. Erst 2007 wurde die Spielstätte modernisiert und wieder zum Leben erweckt. Das Angebot in Bad Elster reicht natürlich von Volksmusik wie Ladiner und Kastelruther Spatzen über Rock & Pop von Münchener Freiheit über Silly bis Cassandra Steen auch bis zu anderen Genres wie Deborah Sasson.

König-Albert-Theater
König-Albert-Theater Bad Elster

Hinzu kommen klassische Angebote als Konzerte im König-Albert-Theater oder als Matinee in der Kunstwandelhalle. Mehr Infos zum Musikangebot gibt es auf der Webseite des Naturtheaters und zum Chursächsischen Musiksommer. Sogar kostenlos gibt es Kurparkkonzerte am Musikpavillon. Wir durften das Blasorchester aus der Stadt der Musikinstrumentenbauer Markneukirchen mit einem bunten Potpourri zwischen Blasmusik, französischen Chansons bis hin zu Udo Lindenberg erleben.

Kurkonzert mit dem Blasorchester Markneukirchen
Kurkonzert mit dem Blasorchester Markneukirchen
Nach dem Kurkonzert
Nach dem Kurkonzert

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