Auf steilen Kalkklippen, durch kühle Wälder und stets mit Blick auf die traumhafte Adria geht es den Sentiero Rilke entlang, den Rilkeweg. Wir sind ihn abgelaufen.

Am westlichen Ende der Provinz Triest liegt die Ortschaft Duino mit ihrem wunderschönen Schloss. Hier durfte der Dichter Rainer Maria Rilke – und einige andere Künstler wie zum Beispiel Mark Twain oder Franz Liszt – im Jahre 1912 einige Zeit verbringen. Der Dichter wanderte über die umliegenden weißen Kalkkliffe entlang des Golfs von Triest und fand anscheinend genug Inspiration, um die Duineser Elegien fertigzustellen.

„Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang,
den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören.“
– aus den Duineser Elegien

Heute steht ein Teil der Landschaft auf den Kliffs unter Naturschutz, denn es treffen sich hier mitteleuropäische und mediterrane Tier- und Pflenzenarten. Zum Andenken des Dichters führt der Sentiero Rilke, der Rilkeweg durch dieses Gebiet. Er startet bei Duino und führt über etwa zwei Kilometer bis zur Bucht von Sistiana.

Die Kalkkliffe, auf denen der Rilkeweg entlangführt
Die Kalkkliffe, auf denen der Rilkeweg entlangführt

Was dem Dichter Recht war, ist uns billig. Bei unserem Besuch der Provinz Triest wandern wir also auf Rilkes spuren. Wobei es sich wohl eher um einen recht ausgedehnten Spaziergang von etwa zwei Stunden handelt, wenn man sich Zeit lässt.

Der Start des Rilkewegs von Duino aus

Es gibt einen großen Zugang, der auch für Rollstuhlfahrer ausgebaut wurde. Um diesen Zugang kann der Besucher auf dem Seitenstreifen parken.

Großer Eingang zum Rilkeweg
Großer Eingang zum Rilkeweg

Hier ist der Weg noch asphaltiert, später wird er mit Kies ausgelegt sein. Wanderschuhe sind nicht nötig, halbwegs feste Schuhe sind aber von Vorteil.

Infotafel Rilkeweg
Infotafel Rilkeweg

Der erste Teil führt durch den Pinienhain zum Meer. Hier mischt sich Flora und Fauna von Mittelmeer und …

Erster Wegabschnitt
Erster Wegabschnitt

Der Asphaltweg endet auf einer Aussichtsplatform, die den Blick auf das Meer und das Schloss Duino freigibt.

Blick auf das Schloss Duino von der Plattform aus
Blick auf das Schloss Duino von der Plattform aus

Weiter können Rollstuhlfahrer und Kinderwägen allerdings nicht. Der Weg wird nun deutlich ruppiger.

Sentiero Rilke
Sentiero Rilke

Zunächst geht es ein Stück nach oben durch den Wald, immer wieder gehen seitlich zum Meer kurze Seitenstiche zu Aussichtsplattformen, die mit Holzgeländer gesichert sind.

Aussichtplattform am Rilkeweg
Aussichtplattform am Rilkeweg

Die Felsen und Berge der Region heißen Triester Karst. Es handelt sich um poröse und ausgewaschene Steine, die auch tiefe Höhlen bilden können, wie die Grotta Gigante, die wir ebenfalls besucht haben.

Wissenschaftler Funfact: Der Triester Karst heißt nicht Karst, weil es hier Karstgestein gibt. Es ist anders herum: Karstgestein heißt so, weil das Phänomen dieser Steine in dieser Gegend zuerst von Geographen beschrieben wurde (wer’S nicht glaubt => Wikipedia).

Bizarre Strukturen: Oberirdisches Karstgestein am Weg
Bizarre Strukturen: Oberirdisches Karstgestein am Weg

Die militärischen Bunker am Rilkeweg

Andere Steine allerdings sind fester und von Menschenhand geschaffen. Zwei Bunker aus dem ersten Weltkrieg finden sich entlang der Route. Heute stehen nur noch ihre Grundmauern und auch sie dienen als Aussichtplattformen.

Bunker am Rilkeweg
Bunker am Rilkeweg

Und so wandeln wir hier zwischen faszinierenden Felsen, einigen schönen Blumen und einem grandiosen Meerblick den Weg entlang. Zeit zum Genießen haben wir ja. Wie viele andere auch. Da wir nämlich an einem Sonntag unterwegs sind, kann von Einsamkeit keine Rede sein. Einheimische wie Touristen begegnen uns hier alle paar Meter. Wer es einsamer mag, sollte vielleicht lieber unter der Woche herkommen.

Immer öfter sehen wir nun auch schon die Bucht von Sistiana vor uns, dem bekannten Badeort der Region.

Blick nach Sistiana
Blick nach Sistiana

Der Weg führt nun öfter zwischen Fels mit Gebüsch als durch Wald hindurch.

Weg durch Vegetation
Weg durch Vegetation

Ende bei Sistiana – hörte Rilke die Black Eyed Peas?

Die Ruhe am Weg schwindet nun, in der ferne hören wir nun stampfende Musik. Der Weg endet an einem Plateau, das den Blick auf die Bucht von Sistiana freigibt – Achtung: Hier sogar ungesichert. Auch wenn das Foto es nicht einfängt: Es geht hier steil und tief hinab.

Plateau mit Blick auf Sistiana
Plateau mit Blick auf Sistiana

Die laute Musik stammt hingegen vom angrenzenden Lokal, dem „Rifugio Rilke“ – Rilke hörte also Black Eyed Peas?

Rifugio Rilke
Rifugio Rilke

Von einem Refugium spüre ich danke der Musik hier leider wenig. Das Essen ist gut, der Blick wunderbar und ich habe auch grundsätzlich nichts gegen die Black Eyed Peas (könnte wirklich schlimmer sein). Aber es passt weder zum Dichter, noch zur Landschaft. Das ist allerdings nur ein kleiner Wermutstropfen in der ansonsten großartigen Wanderung.

Schließlich machen wir uns wieder auf den Rückweg, wir wollen das Schloss Duino noch erkunden. Statt an der Straße endet unser Rückweg direkt hinter dem Schloss.

Ende des Rilkewegs beim Schloss
Ende des Rilkewegs beim Schloss

Der Rilkeweg ist bei gutem Wetter eine wirklich schöne und relativ leichte Wanderung mit herrlichem Blick. Er bietet sich in Kombination mit einem Besuch der Duino Castle an.

Stephan am Rilkeweg
Stephan am Rilkeweg

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