Sie thront in den Bergen über dem Triester Umland: Die Kirche Monte Grisa. Ihre Form und Geschichte macht sie zu einem interessanten Ausflugsziel.

Das Dreieck ist eine wunderbare Form. Es kann mit nur drei Punkten eine Fläche beschreiben – nur zwei Punkte wären lediglich ein Strich. Der Zahl Drei wohnt sowieso eine eigene Magie zugrunde und schließlich beruft sich auch der christliche Glaube auf die Heilige Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist.

All diese Gedanken werden dem Architekten Antonio Guacci der Wallfahrtskirche Monte Grisa bei Triest nicht fremd gewesen sein, als er ab Mitte der 1950er Jahre seine Pläne entwarf. Denn bei der Santuario Nazionale a Maria Madre e Regina, wie sie auf Italienisch heißt, dominiert das Dreieck deutlich.

Dreiecke wohin das Auge sieht
Dreiecke wohin das Auge sieht

Blickt man von der Küstenstraße hinauf zur Kirche am Berg, sieht man sie bereits als ein Dreieck dort stehen. Kein Wunder, dass die Triester schnell einen Spitznamen für sie fanden: „Formaggino“ – „Käseecke“.

Nähert sich der Besucher vom Parkplatz durch den Wald, bemerkt er, dass das Dreieck auch auf der Fassade selbst eine Rolle spielt. Die Fläche ist segmentiert in viele kleine Dreiecke.

Monte Grisa vom Parkplatz aus
Monte Grisa vom Parkplatz aus

Und natürlich fällt auf: Monte Grisa besteht gänzlich aus Beton. Sie ist ein Kind ihrer Zeit. Der Zeit als viele Architekten dem „neuen Brutalismus“ anhingen. Einer Stilrichtung, die in den 1960ern bis in die 1980er verbreitet war und auf Sichtbeton setzte. Das Material sollte nicht verborgen werden, die Strukturen waren grob. Viele Kirchen in Europa wurden in diesem Stil errichtet. Monte Grisa wurde bereits 1966 geweiht.

Der Vordereingang der Kirche
Der Vordereingang der Kirche

Heute leiden diese Bauten zweifach. Denn erstens empfinden viele Menschen den Brutalismus heute als schlicht hässlich. Zweitens – und das trifft auch auf Monte Grisa zu – ist der Beton von damals mittlerweile baufällig.

Besucher müssen sich also auf diesen Stil einlassen können, dann sehen sie vielleicht auch das Besonder darin. Denn Dreieck und Beton ziehen sich konsequent durch das ganze Gebäude.

Das Innere von Monte Grisa
Das Innere von Monte Grisa

Das setzt sich bis in das Altarbild fort, das aus Dreiecken von einem Dreieckfenster besteht. Die Glaseinsätze bestehen aus farbigen Glas-Stücken aus Murano.

Altar mit Muranoglas
Altar mit Muranoglas

Warum Monte Grisa besuchen?

Zum einen ist da die Aussicht: Sich einfach auf eine der Bänke setzen und den Blick über die Adria schweifen zulassen, bis er beim Hafen vom Triest hängenbleibt. Zu beobachten, wie die Schiffe sich durch die Schutzbarrieren schlängeln … all das lässt einen schon verweilen.

Der Ausblick auf Triest
Der Ausblick auf Triest

Zum anderen ist der brutale Beton-Kontrast zur lieblichen Altstadt Triests oder dem verspielten Schloss Miramare. So eine Kirche sehen Reisende eben nicht jeden Tag.

Glaube fest wie Beton
Glaube fest wie Beton

Übrigens lässt sich die Kirche auch zu Fuß über einen Wanderweg erreichen, der CAI 12 heißt. Er startet beim Obelisken in Opicina, der von Triest aus mit der Opicina Tram erreicht werden kann. Der Weg ist gut ausgebaut und leicht zu bewältigen. Bis zur Kirche sind es etwa 3,5 Kilometer.

Die Geschichte von Monte Grisa

Hinter dem Bau der Wallfahrtskirche steht ein Gelübde. Bischof Antonio Santin versprach zum Ende des Zweiten Weltkriegs, dass er eine Kirche errichten werden, wenn Triest vor Zerstörung bewahrt bliebe.

Das war nicht selbstverständlich. Triest war ein Ausgangspunkt des italienischen Faschismus gewesen. Die slowenische Minderheit wurde unterdrückt. Deutsche Truppen hatten das Gebiet 1943 besetzt und unter SS-Herrschaft gestellt. Yugoslawische Partisanen kämpften gegen die Besatzer und für die Slowenen und die Alliierten rückten heran. Es sah schlecht aus für Triest.

Doch das Gelübde schien gewirkt zu haben. Triest wurde so gut wie gar nicht beschädigt. Und so löste der Bischof in den folgenden Jahrzehnten sein Versprechen ein. Das Ergebnis ist Monte Grisa.

Im Untergeschoss
Im Untergeschoss

Webseite: www.montegrisa.org

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