Wenn einem die Kaiserkrone eines Landes angeboten wird, sagt man nicht nein. Hier, auf seinem kurz zuvor erst fertig gewordenen Sitz Castello di Miramare bei Triest, nahm Maximilian – der Bruder des österreichischen Kaisers – 1864 die Krone von Mexiko an. Er verließ sein Schloss und sollte es nie wieder sehen. Drei Jahre später war er tot, erschossen vom mexikanischen Volk.

Sein Schloss Miramare aber steht heute noch am Golf von Triest, und es ist ein prachtvolles, ein leuchtendes Gebäude, eine der Hauptattraktionen für Besucher der Provinz Triest. Nicht zuletzt, weil hier auch die Schwägerin Maximilians mehrmals abstieg. Ihr Name: Elisabeth von Österreich, kurz Sissi.

Miramare heißt „Meeresblick“. Den wollen meine Frau und ich ebenfalls genießen und machen uns auf zu einem Besuch des Schlosses. Es liegt nordwestlich von Triest am Ende der langen und schönen Uferpromenade, auf der Jogger und Spaziergänger die Sonnenanbeter auf deren Badeplattformen passieren. Dann, wenn die kleine Straße zum Schloss abzweigt, enden die Badestege allerdings. Denn um Miramare herum wurde ein Meeresschutzgebiet abgesteckt – keine Boote, keine Schwimmer, keine Surfer!

Am Ende der Straße betreten wir den großen Park des Schlosses durch ein Tor.

Eingang zum Park von Schloss Miramare
Eingang zum Park von Schloss Miramare

Der Park umfasst eine Fläche von 22 Hektar, also etwa 30 Fußballfelder. Teile sind Wald, andere sind gepflegte Gärten. Der Hauptweg aber führt weiter am Meer auf das Schloss zu. Es lohnt sich, hier ganz an der Mauer entlangzugehen und ab und zu schon einen Blick auf das Schloss zu werfen.

Blick vom Weg auf das Schloss
Blick vom Weg auf das Schloss

Wir umrunden das Schloss zunächst von der Meerseite. Die Verzierungen halten sich in Grenzen, die Fassade erstaunt vor allem durch den weißen Kalkstein, der die Farben der Sonne und des Meeres strahlend wiederzugeben scheint.

Ein Blick die Fassade hinauf
Ein Blick die Fassade hinauf

Es ist eine Mischung aus Neugotik und Neurenaissance, zurückhaltend eingesetzt. Hier und da aber erspähen wir einige schöne und besondere Elemente an der Fassade. Etwa der Adler, der eine Schlange im Maul hat und ein Krone trägt.

Adler mit Schlange an der Fassade von Schloss Miramare
Adler mit Schlange an der Fassade von Schloss Miramare

Wir konnten es nicht ad hoc zuordnen, doch heute wissen wir, dass das Wappen Mexikos das gleiche Symbol trägt – nur ohne Krone auf dem Haupt. Hat Maximilian sich hier bereits verewigen lassen als mexikanischer Kaiser?

Oben am Turm breitet eine Statue die Hände über dem Meer aus, als wolle sie es beruhigen. Ich bin nicht sicher, ob es sich um die Heilige Maria handelt, die als „Stella Maris“ – als „Stern des Meeres“ – auch Schutzheilige der Seefahrer ist. Der Sternenhimmel hinter der Statue lässt es vermuten.

Statue am Turm
Statue am Turm

Am Schloss entlang gehen wir auf einer Terrasse, von der aus wir schließlich einige Treppen hinunter zu einer Mole hinabsteigen, die ein Stück ins Meer reicht. Ein guter Platz, um die andere Seite des Schlosses in Augenschein zu nehmen und um auch schon den Garten zu sehen, der bis hinunter zum Ufer der Adria führt.

Blick aufs Schloss und den Garten von der Mole aus
Blick aufs Schloss und den Garten von der Mole aus

Dazu muss man wissen: Maximilian war begeistert von der See, und Triest war Österreichs wichtigster Hafen. Maximilian selbst übernahm als Admiral das Kommando der habsburgischen Flotte und reformierte die Marine. Diese Verbundenheit zum Meer und zur Seefahrt drückt sich im und am Schloss immer wieder aus. Der kleine Hafen hier ist nur ein Ort, an dem diese Begeisterung zu Tage tritt.

Die Räume im Schloss Miramare

Eine andere findet sich im Inneren. Das Erste Zimmer, das Besucher hier zu sehen bekommen, ist erstaunlich niedrig und komplett holzvertäfelt. Ganz mit Absicht erinnert es an die Kapitänskajüte eines Schiffs.

Kajüte des Schlosses
Kajüte des Schlosses

Insgesamt wollte Maximilian die Zimmer des Erdgeschosses von Schloss Miramar wohnlicher halten, während die Räume oben eher repräsentativ sein sollten. Rund 20 Zimmer gibt es zu besichtigen. Beeindruckt haben mich der asiatische Rauchersalon und das Schlafzimmer, das voller Ahnen-Gemälde und anderer Herrscher damaliger Zeit hängt. Ich könnte da kein Auge zu machen. Und auch nicht bei dem ständig plätschernden Brunnen an der Treppe im zweiten Geschoss.

Brunnen im Obergeschoss
Brunnen im Obergeschoss

Was ich dann nicht erwartet habe: Es befinden sich auch Räume im Stil des Art Déco im Schloss. Nach dem ersten Weltkrieg haben die Italiener das Schloss beansprucht und es als Residenz für Herzog Amedeo von Savoyen und Aosta auserkoren. Der ließ einen Flügel renovieren, praktischer, moderner, aber dennoch schön. Wer meine Berichte über New York gelesen hat, weiß, dass ich auf Art Déco ziemlich stehe, und auch auf Jugendstil – was später noch eine Rolle spielen wird.

Schließlich gelangen wir in den Thronsaal Maximilians.

Thronsaal
Thronsaal

Er ist groß und – ja – kitschig. Interessant sind die Kleider aus der Zeit des Jugendstils, die hier ausgestellt sind. Sie weisen auf die gerade stattfindende Ausstellung „Il Liberty“ hin, die sich ganz dem Thema Jugendstil widmet. Praktisch: Die Eintrittskarte zum Schloss berechtigt auch zum Eintritt in die Ausstellung. Das lassen wir uns nicht entgehen, wir begeben uns zum ehemaligen Stall.

Ausstellung Il Liberty
Ausstellung Il Liberty

Die Ausstellung ist großartig und wir verbringen so viel Zeit darin, dass das Schloss bereits geschlossen hat – nicht aber der Park. Die meisten anderen Besucher haben das Anwesen bereits verlassen. Es ist Ende September und die Sonne beginnt unterzugehen. Wir begeben uns in den Gartenbereich des Schlosses, der Richtung Westen offen ist und so immer noch Licht und Wärme abbekommt.

Der Garten des Castello di Miramare
Der Garten des Castello di Miramare

Wunderbar spielt das Abendlicht nun mit den Farben und wir lustwandeln hinunter zum kleinen Hafen des Schlosses, der umgeben ist von Treppen, auf denen wir uns sehr gut Abend-Gesellschaften in Ballkleidern vorstellen können.

Der kleine Hafen und das Ufer am Schloss
Der kleine Hafen und das Ufer am Schloss

Noch einmal umrunden wir die Terrasse des Schlosses, genießen den Blick hinüber nach Triest, während der Himmel sich orange verfärbt und das Meer azurblau schimmert.

Blick von der Terrasse des Schlosses Miramare
Blick von der Terrasse des Schlosses Miramare

Dann machen wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz. Ich drehe mich auf der Allee ein letztes Mal zum Schloss um. Einen Anblick, den ich nicht mehr vergessen werde.

Castello di Miramare im Sonnenuntergang
Castello di Miramare im Sonnenuntergang

Infos, wenn man das Schloss Miramare besuchen möchte:

Eintritt in die Innenräume kostet zirka 10 Euro, Parken kostet extra und wird nach Stunden abgerechnet. Wir haben 11 Euro für sechs Stunden bezahlt. Über das ganze Jahr öffnet das Schloss zwischen 9 und 19 Uhr seine Türen. Der Park öffnet ab 8 Uhr, seine Schließzeiten ändern sich je nach Saison, aktuelle Infos dazu auf der deutschsprachigen Webseite des Castello di Miramare.

2 comments

  1. Ich bin Wissenschaftler uns Sammler für Insekten (Käfer) und möchte gerne die Insekten-Sammlung im Schloss besichtigen. Ist das möglich?

    1. Hallo,

      obwohl meine Frau auch Biologin ist, haben wir darauf leider nicht geachtet, so kann ich also leider die Frage nicht direkt beantworten.

      Tut mir leid.

      Aber Carmen hat auf Google einige Infos gefunden:

      „Eine wichtige Insektensammlung wird im städtischen Museum für Naturgeschichte gezeigt. Das Museum ist im Palazzo Biserini in Borgo Giuseppino untergebracht. Dieses Naturmuseum gibt es zwar seit 1846, aber offenbar ist es umgezogen. Jedenfalls wird der aktuelle Standort als neuer Sitz bezeichnet. Vielleicht war es ja vorher im Schloss.“

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