Seit 2017 ist die brandenburgische Landeshauptstadt um eine Attraktion reicher – das historische Palais Barberini am Alten Markt in Potsdam schließt eine letzte Baulücke.

Potsdams Alter Markt war seit dem Zweiten Weltkrieg schwer zerstört. Die Reste des ehemaligen Stadtschlosses sprengte die DDR-Führung. 2013 ist bereits das Stadtschloss mit historischer Fassade wieder erstanden und beherbergt jetzt den modernsten Landtag. Eine große Lücke klaffte noch. Nach über 70 Jahren konnte auch diese nun endlich geschlossen werden – das Barberini. Aber vor allem die Impressionismus-Ausstellung zur Museumseröffnung wollten wir uns nicht entgehen lassen. Es lohnt sich, viele Impressionisten aus Privatsammlungen zu entdecken.

Zum Palais Barberini

Ursprünglich entstand das Palais Barberini 1771 auf Geheiß Friedrich II. als barockes Wohnhaus. Damaliges Vorbild des Bauwerks war der bereits 1638 in Rom von Gian Lorenzo Bernini erbaute Palazzo Barberini. Die rückwärtigen Seitenflügel, die heute den Großteil des Museums beherbergen, kamen erst später zwischen 1847 und 1851 hinzu. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk 1945 völlig zerstört. Der Wiederaufbau nach historischem Vorbild erfolgte 2015 bis 2016 unter dem Bauherrn und Stifter des Museums, der Hasso-Plattner-Stiftung. Seit 23. Januar 2017 beherbergt das Barberini nun ein ambitioniertes Kunstmuseum, das mit seinen ersten Sonderausstellungen Maßstäbe setzt. Darin bieten 17 Galeriesäle mit rund 2.200 Quadratmetern Platz für wechselnde Ausstellungen. Zu aktuellen und künftigen Ausstellungen informiert stets die Webseite des Hauses.

Palais Barberini Potsdam, Frontansicht
Palais Barberini Potsdam, Frontansicht

Der ehemalige SAP-Gründer und Chef Hasso Plattner hat sich 2003 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und engagiert sich seitdem mit der Hasso-Plattner-Stiftung für Projekte aus Wissenschaft, Kultur und für soziale Aufgaben. Als privater Kunstsammler hat er eine erhebliche Anzahl impressionistischer Werke von Monet, Sisley und Renoir zusammengetragen. Zudem interessierte ihn stets auch die Kunst aus der DDR-Zeit. Seine Sammlung mit Werken von Tübke, Heisig, Richter und Mattheuer gibt einen Einblick in das künstlerische Schaffen in der DDR. Dieser Teil der Sammlung von Hasso Plattner gehört jetzt direkt dem Museum Barberini, der rechte Flügel im Erdgeschoss des Museums ist diesen Werken gewidmet.

Jahrhundertschritt, Wolfgang Mattheuer
Jahrhundertschritt, Wolfgang Mattheuer (1984). Eigenes Foto, © VG BILD-KUNST, Bonn 2016

Die teils bedrohlich wirkende und mitunter umstrittene Plastik Der Jahrhundertschritt von Wolfgang Mattheuer ist in einer großen Replik im Innenhof des Barberini zu sehen. Sie zeigt vereint in einer Figur den Widerstreit der Extreme, die das letzte Jahrhundert deutscher Geschichte geprägt haben. Sie zwingt regelrecht zum Nachdenken und bietet genügend Raum zur Interpretation.

Impressionisten im Barberini
Impressionisten im Barberini

Die Präsentation der Gemälde im Barberini wirkt sehr ansprechend. Die Räume sind von überschaubarer Größe und optisch abgegrenzt, so dass keine Durchgangshektik entsteht. Eichenparkett und indirekte Beleuchtung von der Decke bewirken eine ruhige, angenehme Stimmung. Die Wände jedes Raums sind einheitlich und in mitunter aktivem Farbton gestrichen, der in gewisser Weise auf die jeweiligen Gemälde abgestimmt ist. Die Aufhängung bleibt locker, so dass jedes Bild für sich sprechen kann.

Sonderausstellung: Klassiker der Moderne

Die Moderne der Kunst in Deutschland beginnt mit Malern wie Max Liebermann und Max Slevogt, die sich am französischen Impressionismus orientieren. Als langjähriger Präsident der Akademie der Künste in Berlin stellte sich Liebermann gegen die bisherige Historienmalerei. Emil Nolde orientierte sich stärker an der nächstfolgenden Stilrichtung Expressionismus.

Max Liebermann, Blumenstauden am Gärtnerhäuschen nach Osten (1923)
Max Liebermann, Blumenstauden am Gärtnerhäuschen nach Osten (1923)
Max Liebermann, Stevenstift in Leiden (1902)
Max Liebermann, Stevenstift in Leiden (1902)

Die Blumenstauden am Gärtnerhäuschen nach Osten (1923) sind ein schönes impressionistisches Beispiel von Liebermann. Eines seiner früheren Werke Stevenstift in Leiden von 1902 wirkt dagegen eher noch etwas bieder. Bereits im gleichen Jahre 1902 schuf Max Slevogt mit der Reitergruppe im Wald eine sehr moderne Auffassung, die erst beim genaueren Betrachten ins Auge fällt und mich sehr beeindruckt hat. Die sofort impressionistisch anmutende Komposition orientiert sich an der Freilichtmalerei der Schule von Barbizon. Die Lichtsituation verbreitet eine sommerliche Stimmung. Erstaunlich, wie weit alle Details bei Pferden und Personen zurückgenommen sind. Details und Ausschnitte des Gemäldes wirken schon fast abstrakt.

Max Slevogt, Reitergruppe im Wald (1902)
Max Slevogt, Reitergruppe im Wald (1902)

Zu den stärksten Werken der klassischen Moderne gehören zweifellos die Gemälde des Norwegers Edvard Munch. Er thematisiert stärker die Emotionen der Menschen und vermittelt geprägt von Melancholie eine ausdrucksstarke Bildsprache. Ende des 19. Jahrhunderts war seine Auffassung bereits sehr expressiv, umstritten und seiner Zeit weit voraus.

Sonderausstellung Impressionismus. Die Kunst der Landschaft

Hauptteil der aktuellen Ausstellung ist die Schau des Impressionismus mit 92 Werken, deren Schwerpunkt wiederum 41 Gemälde von Claude Monet bilden. Auch wenn einige Leihgaben aus berühmten Museen bis hin zum Musée de l‘Orangerie Paris und der Ermitage St. Petersburg vertreten sind, stammt der Hauptteil der Werke aus privaten Sammlungen aus den USA; Frankreich, Israel und Deutschland und war in dieser Form noch nie der Öffentlichkeit zugänglich. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran dürfte wohl auch die private Sammlung des Stifters und Mäzens Hasso Plattner ausmachen.

Claude Monet, Kante der Steilküste bei Pourville (1882)
Claude Monet, Kante der Steilküste bei Pourville (1882)

Erstaunlich ist die große Anzahl Monets in dieser Ausstellung. Teils sind es Frühwerke, die man nicht als Monet vermuten würde. Und bei der schieren Anzahl der Gemälde hat auch ein Claude Monet nicht immer einen Volltreffer gelandet. Etwa die Varianten seines Seerosen-Themas konnten mich hier nicht ganz überzeugen. Herrlich malerisch ist aber beispielsweise die Kante der Steilküste bei Pourville von 1882.

Camille Pisarro, Sonnenuntergang, Blick auf Bazincourt (1892)
Camille Pisarro, Sonnenuntergang, Blick auf Bazincourt (1892)

Die Farbkraft der Impressionisten zeigt sich etwa beim Sonnenuntergang, Blick auf Bazincourt (1892) von Camille Pisarro. Nach einer Phase des Pointillismus kehrt er hier wieder zur freieren Malweise zurück und gibt seine Impressionen mit intensiver Farbigkeit und starken Kontrasten wieder. Der Goldrahmen verstärkt dies noch weiter.

Gustave Caillebotte, Boote am Steg (1883)
Gustave Caillebotte, Boote am Steg (1883)

Die Boote am Steg (1883) von Gustave Caillebotte sind ein spannendes Spiel der Reflexionen und intensiven Farben, die sich auch im Wasser der Seine wiederholen.

Eugène Boudin, Fécamp. Das Hafenbecken (1883)
Eugène Boudin, Fécamp. Das Hafenbecken (1883)

Ganz ohne Dramatik kommt hingegen der mir bisher unbekannte Eugène Boudin aus, der als Vorbild der Impressionisten und Lehrer von Claude Monet gilt. Sein Gemälde Fécamp. Das Hafenbecken (1883) verbindet Himmel und Wasseroberfläche in nahezu identischen und in der Palette eng beschränkten Farbtönen. Es strahlt Harmonie und Ruhe aus.

Pierre-Auguste Renoir, Strasse nach Berneval (um 1880)
Pierre-Auguste Renoir, Strasse nach Berneval (um 1880)

Besonders malerisch zeigt sich hingegen Renoir mit der Straße nach Berneval (um 1880). Warme, leuchtende Farben und die beschwingte Pinselführung fangen den Augenblick in der Dünenlandschaft ein.

Impressionistische Winterlandschaften

Camille Pisarro, Gartenecke, Schnee, Erágny (1892)
Camille Pisarro, Gartenecke, Schnee, Erágny (1892)

Das Licht und der Süden gelten zumeist als Sehnsucht der Impressionisten. Wer kennt schon Winterbilder von ihnen? Mir war das neu. Aber auch im Winter vermag ein Camille Pisarro großartig Farbnuancen und Stimmungen einzufangen, wie sein Ölgemälde Gartenecke, Schnee, Erágny (1892) beweist.

Claude Monet, Raureif in Giverny (1885)
Claude Monet, Raureif in Giverny (1885)

Ebenso großartig der Blick von Claude Monet auf den Raureif in Giverny (1885). Fließende Abstufungen des Weiß hin zu Rosa, Eisblau und fahlem Gelb lassen einen ruhigen, frostigen Tag mit nur diffusem letzten Sonnenlicht miterleben.

Alfred Sisley, Straße in Louveciennes, Schnee (1874)
Alfred Sisley, Straße in Louveciennes, Schnee (1874)

Gemalter Schnee solle alle Farben der Umgebung widerspiegeln, soll einst Renoir gesagt haben. Auf der Straße in Louveciennes, Schnee (1874) verwendet Alfred Sisley dafür warme Rosa- und Orangetöne zusammen mit fahlen Hellblau, das sich aus dem Himmel widerspiegelt.

Monet und Renoir begegnen sich

Claude Monet, Raureif (1875)
Claude Monet, Raureif (1875)
Pierre-Auguste Renoir, Schneelandschaft (1875)
Pierre-Auguste Renoir, Schneelandschaft (1875)

Zwei ähnliche Gemälde nebeneinander machen neugierig, stammen sie doch von Superstars der Impressionisten. Beide Gartenansichten von 1875 hängen nicht nur zufällig so. Sie sind auch gleichzeitig und gemeinsam durch die beiden Maler Seite an Seite entstanden. Der aufmerksame Betrachter wird vielleicht merken, dass die Anordnung im Museum quasi verkehrt herum ist. Denn vom Blickwinkel des Motivs muss der heute rechts befindliche Renoir damals jedoch auf der linken Seite von Monet gesessen haben. Monet wählte für seinen Raureif (1875) etwas wärmere Ockertöne und betonte die Gebäude im Hintergrund stärker. Renoir blieb bei seiner Schneelandschaft (1875) mehr bei kühlen Grün- und Blautönen und konzentrierte sich auf die Dynamik der Büsche.

Monet in Venedig

Claude Monet, Palazzo Ducale (1908)
Claude Monet, Palazzo Ducale (1908)

Natürlich zog es Impressionisten wie Monet in den Süden und nach Italien. Jetzt nicht mehr unbedingt, um die Antike zu studieren, sondern auf der Suche nach dem Licht und der intensiven Farbkraft am Mittelmeer. Im Palazzo Ducale (1908) ist der Dogenpalast klar umrissen in warmem Ocker. Die weitere Silhouette Venedigs gerät rasch in einen atmosphärischen Schleier und scheint sich fast zu verlieren. Monets Malweise erinnert hier etwas an William Turner.

Claude Monet, Palazzo Contarini (1908)
Claude Monet, Palazzo Contarini (1908)

Der Palazzo Contarini (1908) gleicht fast einer Farbexplosion und nimmt schon abstrakte Züge an. Das Bild teilen sich hälftig die Frontansicht der Fassade mit intensiven violetten Tönen und davor der Canale Grande mit intensiven Reflexen aus Violett, Kobaltblau und Türkis. Irgendwie erinnert mich die Farbstimmung schon stark an berühmte Varianten seiner Seerosen. Den um 1490 vollendeten Renaissance-Palast Contarini gibt es übrigens unverändert in Venedig und hier mehr Infos zu seiner Geschichte.

Alfred Sisley – mein Favorit im Barberini

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Abschließend noch ein paar Gemälde von Alfred Sisley, die mir im Barberini mit am besten gefallen haben. Sisley erhielt zu Lebzeiten kaum Anerkennung und steht vermutlich auch heute noch eher in der zweiten Reihe der Impressionisten. Seine Malweise orientiert sich auch an den englischen Landschaftsmalern wie William Turner und John Constable. Er verzichtet auf dramatische Bewegungen und stellt die Motive in Ruhe dar, so dass die innere Schönheit zur Geltung kommen kann.

Praktisches

Die derzeitigen Sonderausstellungen im Barberini laufen noch bis zum 28. Mai 2017. Bei dem großen Andrang empfiehlt es sich unbedingt, vorab Zeitfenstertickets zu erwerben. Im Barberini ist man aber sehr kooperativ. Der Zugang wird schon etwas eher gestattet und man wird auch nicht nach einer Besuchszeit hinausgedrängt. Der Andrang war (zumindest bei unserem Besuch am Samstag) wahrlich groß, so dass mir die Zahl der Besucher schon reichlich erschien.

Geöffnet ist täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr. Man sollte die angegebenen Öffnungszeiten auf der Webseite beachten, da sogar schon manche Zeitungen falsche Angaben dazu verbreitet haben. Der Eintrittspreis beträgt normal 14 Euro und ermäßigt 10 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre erhalten gratis Zutritt.

Wer schon vorab schauen möchte oder sich nicht vom Smartphone trennen kann, für den gibt es vom Barberini sogar eine eigene App für iOS und Android. Persönlich verzichte ich im Museum aber lieber auf Kopfhörer, Audioguide, Smartphone & Co., sondern schaue mir die Gemälde bewusster an. Für eine Nachlese aber sicher eine gute Idee.

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