Venedig gilt als teures Pflaster. Günstige Quartiere gibt es praktisch nicht und das alltägliche Leben kostet reichlich. Ein paar Tipps zum Sparen habe ich trotzdem.

Ja, Venedig ist teuer. Das ist auch nicht verwunderlich, denn alles wird auf dem Wasserweg – von Trinkwasser und Lebensmitteln bis hin zu Post und Müll. Das ist ein immenser Aufwand. Dennoch kann man als Tourist auch in Venedig an einigen Stellen sparen und damit sehr gut zurechtkommen in der Serenissima.

Vaporetti statt Stadtrundfahrt

Angekommen im Zentrum locken gerne Veranstalter mit Stadtrundfahrten oder Touren nach Murano oder Burano. Alles sehr sehenswert, aber problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen – den Vaporetti (Dampfern). Ich empfehle hier, eine Mehrtageskarte für die geplante Besuchsdauer in Venedig zu erwerben. Angesichts von 40 oder 60 Euro für ein Ticket mag das als Spartipp seltsam erscheinen. Dennoch ist das die beste Methode der Fortbewegung in Venedig: Tagesticket 20 Euro, 3 Tage 40 Euro, 7 Tage 60 Euro. Da müsst ihr durch. Mehr zu den Tickets auf der Webseite erfahrt ihr vom ACTV in Venedig.

Venedig, schwimmende Haltestelle für die Vaporetti
Venedig, schwimmende Haltestelle für die Vaporetti

Als Vergleich dazu: ein Einzelticket für ein Vaporetto kostet 7,50 Euro. Also lohnt sich das bereits ab 3 Fahrten pro Tag. Ihr werdet mehr fahren. Die schicken Wassertaxis wie im Film kosten übrigens weit über 100 Euro für eine Fahrt.

Vaporetto, der Stadtverkehr in Venedig
Vaporetto, der Stadtverkehr in Venedig
Stadtrundfahrt in Venedig per Vaporetto
Stadtrundfahrt in Venedig per Vaporetto

Für eine Stadtrundfahrt wählt ihr am besten die langsame Linie 1 durch den Canale Grande, die an jeder Station hält. Die 2er Vaporetti fahren nach Giudecca rüber. Mit den 4er-Linien geht es jederzeit problemlos nach Murano. Genauere Infos zu den Linien und Fahrplänen gibt der ACTV von Venedig.

Palazzo Contarini Polignac, Canalae Grande in Venedig
Palazzo Contarini Polignac, Canale Grande in Venedig

Für Kunstinteressierte noch ein Hinweis: auch der Palazzo Contarini Polignac ist vom Canale Grande aus unverändert zu finden, so wie ihn Claude Monet 1908 bereits auf Leinwand gebannt hat.

Traghetto statt Gondola

Zum Besuch in Venedig gehört natürlich eine Gondelfahrt dazu. Um den Geldbeutel nicht übermäßig zu strapazieren, bietet ein Traghetto eine günstige Möglichkeit, zumindest einmal quer den Canale Grande in einer echten Gondel zu überqueren. Mehrere Stellen bieten sich dafür an. Für Fotos müsst ihr euch dabei natürlich beeilen oder eine zweite Fahrt machen. Hier kann man sagen: „pay the ferryman“. Für 2 Euro geht es ans andere Ufer – die große Gondelfahrt (Servicio Gondola) kostet sonst rund 80 Euro. 

Stichwort Gondel: Außer der speziellen Form fällt auch am Bug das markante Eisen auf – das sogenannte Gondeleisen. Wer drauf achtet, wird feststellen, dass auch diese Form nicht zufällig sondern ziemlich einheitlich ist. Das Gondeleisen ist nicht nur Dekoration, sondern hintergründige Symbolik. Zudem sind Gondeln häufig schwarz. Nunja, Gondeln sind immer schwarz, denn ein Dekret vom 8. Oktober 1562 legt fest, dass alle Gondeln schwarz sein müssen, um den damaligen Wetteifer nach Prunk zu stoppen.

Die sechs Streifen oder Zungen am Gondeleisen stehen für die sechs Stadtbezirke Venedigs: San Marco, Castello, Cannaregio, Dorsoduro, Santa Croce und San Polo. Dazwischen sind die drei wichtigsten und historisch bedeutsamen Inseln Murano, Burano und Torcello symbolisiert. Letztlich weist der eine Streifen auf der Gegenseite auf die gegenüberliegende Giudecca hin. Die gesamte schwungvolle Form vom Gondeleisen mag für den Verlauf des Canale Grande stehen. Der Oberteil symbolisiert den Hut des Dogen. Das markante Schmuckelement dient aber letztlich nicht nur dekorativen Zwecken, sondern soll auch ein gewisses ausgleichendes Gewicht zum Gondoliere am hinteren Ende schaffen und wiegt mindestens 10 Kilogramm.

Alternative Aussichtspunkte in Venedig

Beliebtester Aussichtspunkt für Touristen ist sicherlich der Campanile am Markusplatz, der lange Wartezeiten und einen saftigen Eintrittspreis für die Fahrt nach oben garantiert. Weniger bekannt und erst seit Ende 2016 möglich ist der kostenlose Besuch auf einer Aussichtsplattform direkt neben der Rialto-Brücke. Dazu besichtige man das Luxuskaufhaus Fondaco dei Tedesci – quasi das KaDeWe Venedigs. Selbst absolut sehenswert mit dem sich über die Etagen erstreckenden Atrium im historischen Gebäude. Auch wenn die Auslagen von Gucci, Prada und Co. wohl für die meisten unerschwinglich bleiben, lohnt sich der Besuch im toll und fast familiär gestalteten Kaufhaus. Einen Espresso oder ein Parfüm kann man sich vielleicht noch leisten.

Blick vom Fondaco dei Tedesci in Venedig
Blick vom Fondaco dei Tedesci in Venedig

Es geht aber vor allem um ganz oben in diesem Hause um die Aussichtsterrasse. Einige Minuten Wartezeit muss man vermutlich in Kauf nehmen, da doch schon viele diese Möglichkeit kennen und den Ausblick genießen möchten. Das Warten lohnt sich. Wohl nirgends ist man direkter über den Dächern von Venedig, blickt von oben auf die Rialto-Brücke und das quirlige Treiben am und auf dem Canale Grande. Von hier findet man die wichtigen Sehenswürdigkeiten Venedigs und man sieht von Ferne auch schon die gewaltigen Kreuzfahrtschiffe im Hafen.

San Marco vom Fondaco dei Tedesci aus gesehen, Venedig
San Marco vom Fondaco dei Tedesci aus gesehen, Venedig

Ein weiterer Tipp für grandiose Ansichten ist ein Besuch auf der Nachbarinsel San Giorgio Maggiore. Vom Markusplatz aus läuft man einige Schritte ostwärts an der Promenade und gelangt dann von der Station San Zaccharia aus mit der Vaporetto-Linie 2 in wenigen Minuten hinüber nach San Giorgio. Dort in der gleichnamigen Kirche führt ein Fahrstuhl hinauf auf den Campanile. Dies ist mit 6 Euro auf jeden Fall günstiger als am Markusplatz, und Wartezeit gab es auch keine. Es bieten sich herrliche Aussichten über Giudecca und Venedig.

Blick auf Venedig von San Girogio Maggiore aus
Blick auf Venedig von San Girogio Maggiore aus
La Salute Venedig von San Giorgio Maggiore aus gesehen
La Salute Venedig von San Giorgio Maggiore aus gesehen

Trinkwasser kostenlos

Sommer, Sonne und Durst. Das wird schnell zum Geschäftsmodell. Was viele nicht wissen – in Venedig gibt es kostenlos Trinkwasser. Statt überteuerter Cola und Erfrischungsgetränke kauft ihr euch einmal etwas in einem der kleinen Läden oder gar am Automaten etwa in der Vaporetto-Station San Zaccaria nahe dem Markusplatz. Danach könnt ihr die Flasche an den zahlreichen Brunnen in der Stadt und auch auf Murano oder Giudecca immer wieder auffüllen. Danke für den Tipp an unsere Stadtführerin Benigna von Führung Tour Venedig auf Deutsch. Im Hochsommer bei über 30 Grad war das wirklich hilfreich. Die Venezianer machen das auch so.

Espresso im Stehen

Kaffee oder besser Espresso sind Pflicht in Italien – hohe Kosten hingegen nicht. Auf dem Markusplatz liegt man derzeit bei etwa 13 Euro, eventuell zuzüglich Gebühren. Ja, abends gibt es Live-Musik inklusive, aber das berühmte Café Florian war auch gerade eingerüstet. Da kann man gut drauf verzichten. Nahe dem Fischmarkt bekamen wir hingegen früh für rund 1 Euro einen frisch zubereiteten Espresso, wie sich das gehört. Aber auch dort dran denken, holt euch den Espresso selbst an der Theke ab, denn Bedienung kostet mindestens doppelt. Ein Blick in die Lokalpresse ist dann dort auch noch gratis drin.

Leckeres Eis

Italien ist berühmt für sein Gelato, so auch Venedig. Zumindest an heißen Tagen ist so ein leckeres Eis nicht nur willkommene Erfrischung, sondern gleich eine Zwischenmahlzeit. Etwa 1,50 bis 2 Euro kostet eine Kugel Eis. Das ist zwar nicht ganz billig, gegenüber manch anderem Ort dennoch sehr moderat. Wir haben meist nur eine Kugel genommen. Da wird die Portion etwas reichlicher. Einige Schritte weiter kann man ja die nächste Sorte verkosten.

Ein Tipp dennoch: Nahe der Station Zattere im Stadtteil Dorsoduro gibt es sehr leckere Auswahl in der Gelateria Nico.

Cicchetti und Tramezzini als Imbiss

Statt Ristorante oder Pizzeria genügt manchmal auch ein kleiner Imbiss, etwa in einer Trattoria. Venedig hat da seine ganz eigenen Häppchen. Cicchetti erinnern an die spanischen Tapas – kleine raffinierte Köstlichkeiten, häufig mit Fisch und Meeresfrüchten. Die zweite Tradition sind Tramezzini – etwa die venezianische Form eines Sandwich. Beim Ausflug nach Giudecca hatten wir diese bereits kennen und lieben gelernt. Für 2-3 Euro seid ihr dabei. Sogar in der Nähe des Markusplatzes finden sich in Seitengassen schnell bezahlbare Cicchetti.

Gourmet-Sparen: faire Spitzenküche in Venedig

Nun habe ich auch noch einen Restaurant-Tipp, der nicht gerade in die Kategorie Schnäppchen fällt. Wer aber gute Küche zum angemessenen Preis sucht, wird hier nahe dem Fischmarkt hinter der Rialto-Brücke fündig. Hinter dem Fischmarkt gelangt man nur über eine kleine Brücke in die historische Antiqua Trattoria Poste Vecie – eines der ältesten Gasthäuser in Venedig, das auf das Jahr 1500 datiert. Das Haus profitiert vom nebenan gelegenen Markt und präsentiert frische Zubereitungen von Fisch und Meeresfrüchten. Unsere gewählte Grillplatte mit Meeresfrüchten nach Tagesangebot des Marktes war die richtige Wahl – vielfältig, reichhaltig und sogar mit einem halben Hummer. Die 30 Euro pro Person dafür sind mehr als fair. Abschließend noch ein schönes Dessert mit einem lokalen Süßwein der Region Venetien. Gedeck 3 Euro, Wasser 4 Euro, Bedienung inklusive. So gefällt mir das: lokale Küche mit frischen Produkten, neue Entdeckungen und faire Preise. Dass das noch nicht für den Michelin-Führer reicht, ist mir hier ziemlich egal. Es dürfte kaum teurer als manch touristische Einrichtung sein, hier stimmt aber das Verhältnis.

Venedig, Fischplatte im Poste Vecie
Venedig, Fischplatte im Poste Vecie
Venedig, Dessert im Poste Vecie
Venedig, Dessert im Poste Vecie

Kostenlose Kunst

Venedig ist reich an Kunst. Es muss aber nicht immer Dogenpalast, Galleria dell’Academia oder Peggy-Guggenheim-Museum sein. Während der alle 2 Jahre stattfindenden Biennale Venedig (offenbar immer in den ungeraden Jahren, denn 2017 war es bereits die 57. Biennale) sind viele Palazzi im Stadtzentrum frei zugänglich und präsentieren Ausstellungen moderner Kunst. Hinzu kommen große Ausstellungsbereiche in den Biennale-Gärten sowie dem Stadtviertel Arsenale im Osten Venedigs. Die modernen Werke mögen Geschmackssache sein, da bin ich durchaus kritisch.

Venedig, Objekt Biennale 2017
Venedig, Biennale 2017
Venedig, Objekt2, Biennale 2017
Venedig, Biennale 2017
Venedig, Objekt3, Biennale 2017, Palazzo Bembo
Palazzo Bembo, Venedig, Biennale 2017

Der Palazzo Bembo nahe der Rialto-Brücke und die dort gezeigten Werke haben uns aber rundherum begeistert. Zudem bietet das noch den Vorteil, einen historischen Palazzo in Venedig von innen besichtigen zu können – gratis. Tolle Ausblicke auf den Canale Grande inklusive. Hinzu kommen einige Objekte im Stadtbild wie beispielsweise die mahnenden Hände, die einen Palazzo stützen.

Venedig, stützende Hände im Canale Grande zur Biennale
Venedig, stützende Hände im Canale Grande zur Biennale

Schaut zudem auch mal im Osten der Stadt vorbei. Viele oft sehr kleine Einrichtungen und Galerien freuen sich auf den Besuch und zeigen teils ungewöhnliche Exponate. Ein schöner Versuch, die Stadtteile und Häuser von Venedig zu erhalten und attraktiv zu nutzen, wie wir finden.

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